Jede Idee hat ihren Ursprung

Bei einem Winterspaziergang im Januar 2017 telefoniert Carsten, einer der Gründer von Zahnarzt-Helden, mit seinem Bruder Stefan. Dieser erzählt ihm von seinem Job als Medizinprodukteberater. Frustriert berichtet Stefan von seinem Gefühl, bei seinen Kunden immer zum falschen Zeitpunkt aufzutauchen. Ständig scheint er zu stören, da die Ärzte sich während ihrer Arbeitszeit natürlich viel lieber um ihre Patienten kümmern, als mit einem Fachberater über komplizierte Produktdetails zu sprechen.

Dentalgeräte werden bislang aber genau auf diese Art und Weise verkauft. Der persönliche Kontakt zwischen Fachberater und Zahnarzt ist für Mediziner neben Fachmessen die einzige Möglichkeit, Informationen zu neuen Produkten zu erhalten. Transparenz? Fehlanzeige. Denn Fachberater vertreten in der Regel die Interessen von nur einem Händler oder einem Hersteller. Dann halt eine Fachmesse besuchen. Diese Veranstaltungen sind jedoch selten. Außerdem ist so ein Besuch mit großem Aufwand verbunden. Und hinterher hat der Zahnarzt zwar viele Produkte gesehen, muss aber später trotzdem alle Angebote einzeln einholen und vergleichen. „Was kann man da besser machen?“, fragt sich also Carsten. Sein Unternehmergeist ist geweckt.

An einer Idee arbeiten macht großen Spaß, doch zu zweit ist alles einfacher. Bei einem abendlichen Bier in einer Berliner Kneipe berichtet Carsten seinem besten Freund Philip von seinen Gedanken und dem offensichtlichen Problem auf dem Dentalmarkt. Es braucht nicht lange, bis Philip ebenso begeistert von einer Gründung ist wie Carsten. Wie passend, dass Philip sich bestens mit Zahlen und dem operativen Geschäft auskennt, während Carsten im Vertrieb aufblüht. Von da an heißt es also „Goodbye Berlin, hello Bielefeld!“

Bielefeld? Tatsächlich. Denn dort entsteht gerade jetzt ein ganz neues Ökosystem für junge Gründer wie Carsten und Philip, der Founders Foundation & der Bertelsmann Stiftung sei Dank. Also machen die beiden sich auf, um im bodenständigen, aber sehr einflussreichen Ostwestfalen-Lippe ihr Unternehmen aufzubauen. Konzerne wie Dr. Oetker, Claas, Miele und Schüco sind hier gestartet, „dann schaffen wir das auch“, denken sie sich.

Angebote vom Sofa aus

Carsten und Philip verbringen Tage und Nächte damit, ein Konzept zu erarbeiten. Am Ende sind sie überzeugt, dass es für die Dentalbranche Zeit ist, den Schritt ins Internet zu gehen. Damit sagen sie sogar dem noch weit verbreiteten Faxgerät den Kampf an. Denn eins ist doch klar – auch Zahnärzte haben Smartphones und shoppen im Internet. Warum also keine Online-Lösung für den Vertrieb von Dentalgeräten entwickeln? Für Zahnärzte bedeutet das: Angebote vom Sofa aus erhalten.

Ok, die Idee steht. Doch wie lässt sich das jetzt umsetzen? Keiner der beiden ist ausreichend mit Webdesign und Online-Marketing vertraut, also muss Verstärkung ran. Mit Martin, dem dritten Mitgründer von Zahnarzt-Helden, finden Carsten und Philip eine perfekte Ergänzung ihrer eigenen Fähigkeiten. Der Erstellung des Produkts steht jetzt nichts mehr im Wege.

Ja und wer von den drei Gründern ist nun Zahnarzt? Niemand, richtig. Das macht aber nichts. Fest steht, dass drei vermeintlich fachfremde, doch innovationsgetriebene junge Männer den Dentalmarkt verändern möchten und dafür bereit sind, alles zu geben. Eine Außenperspektive und etwas Abstand zu internen Vorgängen können manchmal nützlich sein, um Probleme in festgefahrenen Strukturen zu erkennen und Lösungen zu kreieren. Und wenn doch mal eine Frage offen bleibt, ja dafür haben sich die drei einige erfahrene Zahnärzte als Mentoren ins Team geholt.

Mehr Zeit, um Helden zu sein.

Das Ergebnis? Seit 2018 helfen die Zahnarzt-Helden aus Bielefeld Zahnärzten dabei, Angebote für teure Anschaffungen ganz einfach im Internet zu bekommen. Das funktioniert bei Behandlungsstühlen, Röntgengeräten, CAD/CAM-Systemen und vielem mehr. Mit ein paar Klicks beantworten sie spielerisch alle Detailfragen zu einem Dentalgerät und anschließend können die Anbieter darauf ihre Angebote abgeben. Dadurch haben Zahnärzte mehr Zeit, sich um ihre Patienten zu kümmern, das heißt “Mehr Zeit, um Helden zu sein”. Und auch Stefan als Fachberater hat jetzt viel weniger Arbeit und fährt nur noch zum Kunden, wenn dieser ihn auch wirklich treffen möchte. Die Konsequenz? Stefan ist glücklich und der Zahnarzt ist es auch.

Ausblick

Man darf all das als Zwischenergebnis auffassen, denn womit wir 2017 an den Start gegangen sind, ist nur der kleine Anfang von dem, was wir langfristig vorhaben. Wir haben uns aufgemacht, in den kommenden Jahren zum größten europäischen Anbieter zahnärztlichen Equipments zu werden und den in die Jahre gekommenen Vertrieb solcher Investitionsgüter grundlegend zu digitalisieren. Als wir 2017 noch vor der Gründung der GmbH standen, ging es erst einmal darum, sich einen ausführlichen Überblick über Probleme und Ineffizienzen auf dem deutschen Dentalmarkt zu verschaffen, doch schnell haben wir gemerkt, dass sich diese nicht auf unsere Landesgrenzen begrenzen.

Auf der ganzen Welt werden komplexe und erklärungsbedürftige Produkte wie Behandlungseinheiten und Röntgengeräte verkauft wie Staubsauger in den 90ern – doch muss das so sein? Gibt es heutzutage nicht gerade durch das Internet viel bessere Möglichkeiten, Zahnärzte bei größeren Investitionen möglichst transparent und ausführlich zu informieren? Genau das sind die Fragen, mit denen wir uns hier in Bielefeld jeden Tag beschäftigen und unsere Schubladen sind voll mit Ideen, wie man den Einkauf von Dentalgeräten in Zukunft noch viel einfacher und transparenter gestalten kann.