Wasserversorgung von Behandlungseinheiten – Alles keimfrei?

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Wasserversorgung von Behandlungseinheiten

Bereits im Jahr 1854 identifizierte der Arzt John Snow verunreinigtes Trinkwasser als Ursprung der Cholera-Epidemie in London mit über 14.000 Toten. Zwar stellt die Trinkwasserversorgung hierzulande kein Problem mehr dar, aber auch die Ansteckung mit weiteren Erkrankungen kann über die Aufnahme oder den Kontakt mit unhygienischem Wasser erfolgen. In Zahnarztpraxen gab es bereits Todesfälle von Patienten und Medizinern durch mit Legionellen besetztes Wasser in Behandlungsgeräten. Zum Glück Einzelfälle, doch die Bedeutung einer angemessenen Wasserversorgung von Zahnarztstühlen steht außer Frage.

Die Kommission für Krankenhaushygiene und Infektionsprävention des Robert-Koch-Instituts (KRINKI) empfiehlt eine jährliche allgemeine Wasseruntersuchung und eine halbjährliche Wasseruntersuchung des Kühlwassers der Behandlungseinheiten auf Legionellen. Eine Keimzahl von 100 pro Milliliter Wasser sollte hier nicht überschritten werden. Dentaleinheiten bergen schließlich ein enormes Risiko für eine rasche Vermehrungen von Legionellen, da sich die stäbchenförmigen Bakterien in selten genutzten Warmwasserleitungen und- behältern besonders wohlfühlen.

Empfehlung hin oder her, was bei Behandlungseinheiten verbindlich eingehalten werden muss, um das hiesige Trinkwasser vor Rückverkeimung zu schützen, ist eine Systemtrennung der Einheiten von der Trinkwasserversorgung durch eine freie Fallstrecke (siehe TrinkwV 2001). Klingt wie der neuste Rutschentrend in Schwimmbädern, meint aber, dass das vom Netz kommende Trinkwasser im Zahnarztstuhl über eine mindestens 20 mm Luftstrecke frei in einen Tank fließt, um einen Rücklauf zu verhindern.

Sollte das Betriebswasser für die Behandlungseinheit aufgrund ungenügender Wasserqualität nicht über die Hausinstallation bezogen werden können, besteht die Möglichkeit sogenannter Bottle-Systeme. Dabei wird das Wasser für die Dentaleinheit aus separaten mit Trinkwasser oder gegebenenfalls destilliertem Wasser befüllten Flaschen bezogen. Ob Fanta- oder Vittel-Flasche, der Kreativität sind hier keine Grenzen gesetzt. Das Bottle-System bietet sich genauso zur Nachrüstung alter Behandlungseinheiten an, bei denen noch keine freie Fallstrecke installiert ist.

Bei der Wasserversorgung unterscheidet man zwischen freier Fallstrecke und Bottle-System

Sowohl Bottle-System als auch freie Fallstrecke erfüllen zwar die Regularien der Trinkwasserverordnung, sorgen aber noch nicht automatisch für keimfreie Leitungen. Bei der Wasserversorgung über das Flaschensystem lassen sich zu diesem Zweck direkt desinfizierende Mittel in das Wasser geben. Behandlungseinheiten, welche über eine freie Fallstrecke verfügen, wird mindestens jährlich eine Intensiventkeimung empfohlen. Kritische Stimmen äußern, dass es sich hierbei nicht um eine nachhaltige Lösung handele und zur Ursachenbekämpfung von Keimbildung eher angesetzt werden müsse: Zum einen kann dem Leitungsstrang eine Wasserentkeimungsanlage vorgelagert werden und zum anderen ermöglichen Ringleitungen einen hoch frequentierten Wasserfluss in jedem Abschnitt der Leitung.

Letztlich bleibt es jedem selbst überlassen, wie er für eine geringe Keimbelastung des Wassers und der Leitungen in seiner Behandlungseinheit sorgt. Gerade weil dies ein sehr subjektives Thema ist, haben wir uns für euch in einschlägigen Foren herumgetrieben und verschiedene Meinungen gesammelt.

Zitate aus der Praxis

Wenn ich eine neue Praxis planen darf oder modernisiere und auf eine zentrale Entkeimung und Wasserversorgung umstellen kann, ist das doch ein Traum. Wir hatten vor kurzem auch ein Bottle-System. Es gibt doch kaum ein System, was mehr Arbeit macht. Und kostenintensiv ist es auch, nicht nur in Hinblick auf das Entkeimungsmaterial.

Wir haben trotz zentraler Enthärtung und Entkeimung auch noch Bottle an zwei Stühlen. DAS IST EINFACH. Ich tausche die 2x im Jahr aus. Ich glaube, die liegen unter 50€.

Bottle System ist ohne jeglichen technischen Schnickschnack, lediglich an die Luft angeschlossen, funktioniert bei uns seit 2006 ohne Probleme. Und preislich geht das deutlich unter 500,- je Einheit.

Nicht jeder Behandler möchte mit einem Bottle-System arbeiten. Es hat schon einige „Nachteile“, gerade, wenn die Einheit überwiegend für Prophylaxe genutzt wird reicht die Füllmenge oft nicht aus.

Ein Bottle-System löst das Problem der nicht vorhandenen freien Fallstrecke. Man kann auch eine freie Fallstrecke nachrüsten, das wäre aber deutlich teurer geworden als drei neue Bottle-Systeme nachträglich anmontiert.

Mein Kenntnisstand nach langer Recherche ist der, dass eine separate Wasserleitung, die nur die Behandlungseinheiten versorgt, an der keine andere Wasserzapfstelle wie Waschbecken oder Toilettenspülung hängen, und die mit einem zentralen Rückflussverhinderer ausgestattet ist, tatsächlich eine raffinierte Idee ist, um sich an alten Einheiten ohne Trennsystem (frei Fallstrecke) die Bottle-Systeme zu sparen.

Und das Bottle-System ist doch nur eine Alternativ für Praxen, in denen eine zentrale Wasserversorgung baulicherseits nicht einfach umzusetzen ist. Vorher hatten wir auch das Bottle-System. Ich freue mich jeden Tag über die zentrale Versorgung. Keine leeren Flaschen mehr. Kein riesiger QM-Rattenschwanz: Aufbereitung der Flaschen, Dosierung Desinfektionsmittel usw. Und das Beste: Keine menschliche Komponente, die wieder kontrolliert werden muss…