„Ich will als Zahnarzt nicht mehr kämpfen müssen“

„Zu teuer und schlecht organisiert“ lautet das Gesamturteil unserer quantitativen Umfrage zum technischen Service in deutschen Zahnarztpraxen. Wir wollen mehr als Zahlen und haben Dr. Ingo Sika nach aktuellen Herausforderungen und Erfahrungen zum Thema technischer Support befragt. Im Interview mit uns spricht er darüber, was er als Zahnarzt bereit ist zu geben – und was aber auch nicht.

Zahnarzt Dr. Ingo Sika

Zahnarzt-Helden: Lieber Ingo Sika, wir haben schwarz auf weiß, dass die allgemeine Zufriedenheit von Zahnärzten mit dem technischen Service in der Praxis zwar nicht vollkommen durchfällt, aber deutlich zu wünschen übriglässt. Woran liegt das?

Ingo Sika: Ich sehe das Problem auf zwei Seiten: Zum einen sind Dentalgeräte heutzutage immer störanfälliger. Hersteller verkaufen Behandlungseinheiten ohne Testphasen, sodass die Geräte nicht ausgereift sind. Was ist die Konsequenz? Dentale Großgeräte besitzen eine Menge von Kinderkrankheiten, die einem Zahnarzt das Leben schwermachen.
Vor zwei Jahren habe ich mir zum Beispiel neue Stühle für meine Praxis angeschafft – bei dem einen ließ sich das Helferinnenmodul nicht programmieren, weil die Software inkompatibel war. Ich musste drei Monate auf eine funktionsfähige Version warten. Für mich ist das ein absolutes Unding!

Zahnarzt-Helden: Was in puncto technischer Service sorgt bei Zahnärzten außerdem für Missstimmungen?

Ingo Sika: Das zweite Problem sehe ich klar beim Handel. Es ist nichts Neues, dass viele Depots die fehlenden Einnahmen im Materialgeschäft durch den Service wieder reinholen wollen. Beim Blick auf die Rechnung gibt es leider immer wieder böse Überraschungen. Da fühle ich mich dann oft als Melkkuh, nicht als Zahnarzt.

Zahnarzt-Helden: Sie haben angesprochen, dass Online-Plattformen den klassischen Depots bei der Materialwirtschaft starke Konkurrenz machen. Nutzen Sie selbst Angebote wie Aera?

Ingo Sika: Ich bin grundsätzlich ein Freund davon, meine Geschäftsbeziehungen kompakt zu halten und beziehe lieber alles aus einer Hand. Dafür finde ich einen Aufpreis von fünf Prozent völlig gerechtfertigt. Bei Großgeräten erwarte ich dann aber auch, dass man mir beispielsweise bei der Garantie entgegenkommt und für eine Verlängerung eben keine zusätzlichen Kosten berechnet werden. Bislang ist das leider nicht der Fall. Zumindest nicht, wenn ich nicht eigenständig auf die Barrikaden gehe.

Zahnarzt-Helden: Wie viel Energie stecken Sie in Verhandlungen, um ein zufriedenstellendes Ergebnis zu erreichen?

Ingo Sika: Als Geschäftsmann muss man kämpfen, aber gerade das möchte ich nicht mehr. Ich liebe meinen Beruf und für mich soll die Kernarbeit als Zahnarzt wieder in den Fokus rücken. In der Vergangenheit habe ich meine jährlichen Kosten für technische Servicearbeiten aber bestimmt um etwa 30 Prozent runtergehandelt. Ich bin nun allerdings an einem Punkt, wo ich weder Kraft noch Lust dazu habe.

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